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Das geheime Tagebuch des Schaustellers Erwin Sondermann

(naja, so geheim ist es nun auch wieder nicht!)

wirr-wahr@freenet.de



Verfasst am 03.07.2005 08:53:23 Uhr
Aus dem glücklich verschollenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
Siebzehnhundert irgendwie, irgendwo, irgendwann

Hochlieber Goethe,

„Nicht selten ... gewinnt eine geistreiche Bosheit vorzüglich deswegen unsere Gunst, weil sie ein Mittel ist, uns den Genuss der moralischen Zweckmäßigkeit zu verschaffen.“

Wie ich kürzlich live auf Phoenix mit niedersächsischen Untertiteln und Gebährdensprache verfolgen konnte, hat sich unser Herzog endlich das Misstrauen erschlichen, welches wir ihm schon immer gerne vorenthalten haben. Offensichtlich kann man inzwischen Politik nur noch durch konsequente Nichtpolitik betreiben, sehr zum Misstrauen des vereinfachten SPD- und Herzogwählers. Aber schon bahnt sich neues Ungemach an:
Die Lengefeld überraschte mich heute beim Frühstück mit der Feststellung: „Na gut, dann mache ich halt den Job. Das dienen liegt mir ja als Ostdeutsche im Blut.“ Ich erwiderte ihr lapidar: „Nur weil du mal vor hundert Jahren die FDJ-Wandzeitung gestaltet hast, bist du doch keine Politikerin!“, da sprudelte es auch schon aus ihr heraus:
„Als erstes würde ich die Gesundheitspolitik reformieren. Über eine Art Bürgerversicherung müsste jeder Einwohner pro Tag dreihundert Äpfel essen, egal ob Millionär oder HartzIV-Opfer und völlig unabhängig von seinem Verdauungssystem. Das würde die Volksgesundheit spürbar verbessern und den deutschen Obstbauern sichere Einkünfte bescheren. Das Ganze lassen wir uns dann noch von der EU-Agrakommision subventionieren. Ein deutscher Apfel, der ohne Zuschüsse 327,86 € kosten würde, könnte dann schon für preiswerte 278,12 € an die Bedürftigen und Vitaminlosen abgegeben werden.
Zur Sicherung unserer Apfelansprüche besetzt die Bundeswehr außerdem in einem Akt beispielloser humanitärer Hilfe die wichtigsten Äpfel erzeugenden Länder, als da wären Apfelganistan, Irapfel und Boskop-Holland.
Als zweites würde ich die Rentenreform in Angriff nehmen. Die bisherige Praxis der willkürlichen Rentenausschüttung nach der Lebensarbeitsleistung wird abgeschafft und in Zukunft die Rente nur noch an CDU-Wähler ausgezahlt, vorzugsweise in Naturalien. Auch hierfür dürften Äpfel ein geeignetes Zahlungsmittel darstellen.
Drittens die Bildungsreform. Unsere Schulen und Universitäten werden mit High-Tech-Äpfeln ausgestattet, denn es liegt auf der Hand, dass man mit diesem Obst sehr schön die Grundrechenarten erlernen kann und mit ein bißchen Übung auch die Relativitätstheorie versteht.
Viertens: Äpfel und Fünftens: Auch!“

Ich war erschüttert, “aber es gibt Fälle, wo das moralische Vergnügen nur durch einen moralischen Schmerz erkauft wird, und dies geschieht, wenn eine moralische Pflicht übertreten werden muss, um einer höhern und allgemeineren desto gemäßer zu handeln.“

Hochachtungsvoll
Schiller

Zitate aus:
Friedrich Schiller, „Über den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen“ (1792)

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Verfasst am 30.06.2005 19:31:17 Uhr
Aus dem glücklich verschollenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
Achtzehnhundertirgendwann und keine Sekunde später

Mein Gott Goethe,
ich möchte doch zu gerne wissen, wer uns das mit dem ZEITBloggen eingebrockt hat! Mein erster Verdacht fiel auf Hölderlin. Aber seine Mutti sagte mir, seit er seine Tour de France abbrechen musste, hätte er überhaupt kein Zeitempfinden und das Lesen von Buchstaben in geordneter Reihenfolge bereite ihm immense Schwierigkeiten. Im übrigen sei er mit der Berichterstattung zur Französischen Revolution in den Printmedien überhaupt nicht einverstanden gewesen. Wie kann man aber auch so frech daherlügen, Frankreich hätte keine Massenvernichtungsmittel, wo jedermann weiß, wie tödlich ein drei Stunden altes Baguette sein kann. Und Gerhard Schröder zum Communarden der Herzen deklarieren und im nächsten Absatz Neuwahlen fordern bzw. in der Wochenendbeilage Bastelvorlagen für Guilotinen abdrucken, offenbart auch nicht gerade die hohe Kunst der indikativen Massensuggestion!
So bleibt eigentlich nur noch Guido Westerwelle! Sicherlich wollte er sich rächen, weil wir ihn beim Preisbloggen 1788 nachweisen konnten, dass seine Beiträge gefakt waren. Ja wenn man schon in der Rubrik „Sex and the Kitchen“ veröffentlicht, sollte man nicht mit Angela Merkel unterschreiben!
Ich räume inzwischen schon mal die Tiefgarage unter der Herzogin-Amalia-Bibliothek für den ersten Preis. Der Herzog wird Augen machen, wenn wir den Ferrari-Achtspänner neben seine Zwickauer Pappe stellen werden!

Bis hierhin und dahin und überhaupt.
Der Friedrich


PS. Kleine Korrektur: Lese gerade, der erste Preis soll ein Original-Hörsturz sein, gesungen von Sarah Connor! Na, da hätten wir doch schon ein großartiges Geburtstagsgeschenk für Ludwig van!

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Verfasst am 28.06.2005 21:12:16 Uhr
Aus dem glücklich verschollenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
Achtzehnhundertirgendwann MESZ

Hallo Friedrich, alte Glocke,
das ist ja eine schöne Bescherung! Inzwischen sind wir beim „ZEITBloggen“ bereits auf Platz 41 der 15 beliebtesten Weblogs vorgerückt, da könnte man schon fast an die Börse gehen. Aber im Ernst, hätte ich gewusst, dass unser Briefwechsel so wichtig für die Nachwelt werden würde, hätte ich natürlich auf dem guten mundgeschöpften und selbstverdauten Briefpapier geschrieben und schon gar nicht mit dem Programm MS-Word 1804!
Gestern erst fragt mich doch mitten beim Schreiben eines Beitrages zum Thema „Wie mache ich mich beliebt bei meinen Mitbürgern? Kapitel 1: Der Selbstmord“ eine verrückt gewordene Büroklammer, ob ich einen Brief schreiben will? Sie hätte da ein paar schöne Vorlagen von Choderlos de Laclos oder aus der ukrainischen Bundesvisadruckerei. Ich wollte gerade zurückfragen „Was geht dich das an?“, da muss ich wohl irgendwie einmal zu viel F6+Roten Knopf gedrückt haben, auf jeden Fall verwandelte sich der Text in einen Briefroman. Als ich dann wenigstens noch einen Teil davon speichern wollte, lachte sich die heimtückische Büroklammer kaputt und ging Fahrrad fahren. So weit zu den Leiden des jungen W.!
Bis zur nächsten Computeramnesie.
&oet#%e

PS. Wie Du siehst, bin ich inzwischen zur guten alten 8-Bit-Schiefertafel zurückgekehrt. Heb dir keinen Bruch beim Lesen!

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Verfasst am 26.06.2005 07:55:15 Uhr
Aus dem glücklich verschollenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
Achtzehnhundertirgendwann +/- 2 Jahrhunderte

Lieber Goethe,
kaum ist man mal 3 Tage tot bzw. im Urlaub, schon wird man berühmt gemacht. In unserem Fall hat sich die Online-Redaktion der Offline-Zeitung „Die Zeit“ unserer Werke angenommen und sie mit einem Lacher in Bronze gewürdigt. Preisbloggen nennen sie das! Ich habe gleich dem kroatischen PEN-Vorstand Bescheid gegeben, die Aktion in ihr Wettprogramm aufzunehmen.
Wenn man tot ist, ist man ja an Preise gewöhnt. Gerade erst bin ich von der Redaktion „Die Frau auf dem Sofa“ zum beliebtesten, totesten und superdeutschesten Schriftsteller gewählt worden. Dieter Bohlen war stinksauer und konnte nur mit anwaltlicher Hilfe davon überzeugt werden, dass er einfach noch nicht tot genug war, um diesen Wettbewerb zu gewinnen. Zumal Hirntod nicht zählte ...
Dennoch sollten wir beim „Preisbloggen“ nichts dem Zufall überlassen. Du kannst ja inzwischen mal in den Dossiers der Preisbloggen-Jury recherchieren, inwieweit wir durch kleine körperliche Aufmerksamkeiten - um nicht zu sagen „Geschlechtsverkehr“ - mit den Jurymitgliedern unsere Chancen auf den Sieg erhöhen könnten. Aber nichts zu der Lengefeld! Wenn sie mitkriegt, dass ich gar kein Apfelbauer bin, kann ich gleich wieder unter dem Viadukt von Weimar übernachten und mich mit der „Zeit“ zudecken.
Soweit in Kürze. Ich kann kaum noch den Gänsekiel halten. Das blöde am Totsein ist ja der zunehmende Muskelschwund. Dagegen sollten die Ärzte mal was erfinden!

LG und MfG
Dein Friedrich



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Verfasst am 08.06.2005 19:40:26 Uhr
Aus dem glücklich verschollenen Briefwechsel zwischen Goethe und Schiller
Achtzehnhundertirgendwann + X

Lieber Friedrich,
es tut mir leid, dass Du tot bist. Aber wir haben alle einmal einen schlechten Tag! Habe mir übrigens Deinen Schädel als Blumentopf auf den Schreibtisch gestellt. Sieht ganz allerliebst aus, wie Dir die Gänseblümchen aus den Augenhöhlen wachsen und erinnert mich immer an irgendetwas ....
Ach ja, jetzt fällt es mir wieder ein. Ich lasse gerade aus Deinem Hüftknochen einen niedlichen Salzstreuer kreieren. Und aus Deinem Nasenbein einen Teelöffel. Es wäre doch super, wenn ich aus Dir ein ganzes Service zaubern könnte, mit Eierbechern und Sossiere und so.
Dann wärst Du auch für immer unter uns. Das wäre sicherlich in Deinem Sinne gewesen. Und wenn ich Dich postum an den Erlösen des Verkaufes Deiner Locken beteilige, kannst Du Dir vielleicht auch bald die Fürstengruft leisten so wie ich.
Ich sage schon mal toi toi toi.

Bis bald.
Dein Goethe

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